Das Vokalensemble
"Canto Vivace"

Der junge Chor
"Ubi Caritas"

Die Chöre “Ubi Caritas” und “Canto Vivace” in New York

Die diesjährige Chorreise der beiden Chöre “Ubi Caritas” und “Canto Vivace” – Chöre vom Singkreis Forstern e.V. - stand von Anfang an unter ganz besonderen Vorzeichen, wählte Chorleiter Konrad Huber doch New York als Zielpunkt.

Am 29. Oktober war es soweit. Über Paris, dort wurde die Wartezeit auf den Anschlussflug gleich mit einem Standkonzert verkürzt, ging es  weiter Richtung Westen. Nach der  amerikanischen Einreiseprozedur brachte ein von zuhause aus gecharterter Bus unsere 39-köpfige Gruppe zur Unterkunft in der 55th Street West, deren zentrale Lage in Fußnähe zu Times Square und Central Park sich als äußerst günstig erweisen sollte. Mit einem Standkonzert inmitten der Leucht- und Glitzerwerbung des Times Square fand die Ankunft in New York einen würdigen Tagesabschluss.

Am folgenden Tag gestalteten wir in der ev. Kirche St. Pauls in der 23th Street West einen deutschen Gottesdienst zum Reformationstag sowie ein anschließendes Konzert. Der Pfarrer der deutschen Gemeinde sowie die Gottesdienst­besucher waren von der Stimmgewalt der Chöre sehr angetan und bei einem spon­tanen gemeinsamen “Kirchkaffee” im Gemeindesaal kam man schnell ins Gespräch. Es erstaunte doch, wie viele Deutsche hier mitten in New York leben.

So verpassten wir jedoch knapp unseren Zug nach New Jersey, der uns zu unserem zweiten Auftritt an diesem Tag bringen sollte. Kurzerhand wurde die Bahnhofshalle des Penn-Stations zu einem Probenraum umfunktioniert. Die Akustik war prima und die New Yorker hörten begeistert zu. In New Jersey schließlich fuhren wir in einem original amerikani­schen Schulbus zum dortigen “Deutschen Club”. Unser Konzertprogramm umfasste hier, den Wünschen des Publikums entsprechend,  vor allem deutschsprachiges Liedgut, das mit viel Applaus bedacht wurde. Es war für uns äußerst interessant zu erfahren, aus welchen Beweggründen die Clubmitglieder in den 50er und 60er Jahren aus Deutschland auswanderten und wie sie die Veränderungen der sozialen und politischen  Situation  in den USA bis heute erlebten. Trotz allem aber möchte keiner der Emigranten mehr zurück.
Der Montag erwartete uns mit einer Sightseeing Tour in einem Doppeldeckerbus. Die Route führte vom Central Park durch Soho, Little Italy und Chinatown nach Downtown Manhattan. Ground Zero,  die Wallstreet, das UN-Gebäude und die 5th Avenue wurden ebenfalls angesteuert. Am Nachmittag fuhren wir auf das Empire State Building. Die Rundumsicht hier vom höchsten Punkt New Yorks war überwältigend. Als zudem allmählich die Sonne versank, waren wir derart begeistert, dass wir einfach singen mussten. Diese traumhafte Stimmung des Sonnenuntergangs über den Dächern des funkelnden und  stets pulsierenden New York hat sich uns fest eingebrannt.

Der dritte Tag in NYC stand zur freien Verfügung. In Gruppen aufgeteilt nutzten viele die Gelegenheit zum ausführlichen Shoppen, zu einer weiteren Sightseeing-Tour (z.B. Brooklyn-Bridge, Freiheitsstatue, Fährenfahrt nach Staten Island) oder zu einem Museumsbesuch (Museum of Modern Art, Metropolitan Museum, Guggenheim-Museum).

Der Mittwoch begann, wie die darauffolgenden Tage auch, mit einer einstündigen “Canto”-Probe. Anschließend bereiteten wir am Rockefeller Center unser großes Konzert in der Kathedrale St. Patrick vor.

Aufgrund eines genau festgelegten Zeitplanes ist es nämlich nicht möglich, vor Ort eine Konzertprobe abzuhalten. Die monumentale Größe dieser alt ehrwürdigen Kirche entfaltet sich erst, wenn man den Kirchenraum betritt. Von außen wirkt sie inmitten der Skyscraper eher beengt. Hier stellten wir unser klassisches Konzertrepertoire vor. Vivaldis Gloria, Händels Halleluja aus dem Messias, Gounods und Bruckners Ave Maria füllten den Kirchenraum ebenso wie Haydns Mariazeller Messe. Souverän begleitete uns dabei Max Hanft, Chorrepetitor beim Bayerischen Rundfunk, an der Orgel. Er brillierte zudem mit einem furiosen Orgelsolo. Mit einer romatischen Suite von Poellmann setzte er hohe Maßstäbe, entlockte ihr ein gewaltiges Klangvolumen, da er die drei Gallery-Orgeln der Kathedrale gleichzeitig zusammen erklingen ließ. Max Hanft sei an dieser Stelle herzlich gedankt, dass er sich spontan bereit erklärt hat, mit uns nach Amerika zu fahren und uns mit seinem virtuosen Orgel- und Klavierspiel zu unterstützen.

Am Donnerstag konzertierten wir in der St. Pauls Chapel, die unmittelbar am Ground Zero steht. Diese relativ kleine Kirche kann - nicht erst seit dem 11. September 2001 -  auf eine bewegte Geschichte zurückschauen, wohnte hier doch 1789 anlässlich seiner Vereidigung als Präsident George Washington einem Gottesdienst bei. Es grenzt an ein Wunder, dass bei den Anschlägen auf das World Trade Center die Kapelle keinerlei Schaden nahm. Bei einer Kirchenführung  erfuhren wir, dass diese Kirche in den Wochen danach zur Anlaufstelle für Angehörige und Helfer wurde. Kleidung, Essen, Schlafmöglichkeit, medizinische und psychologische Betreuung wurden hier gewährt. Schautafeln, Computeranimationen und Andenkentische entlang der Kirchenwände dokumentieren dies eindrucksvoll. Unser Konzert hier war besonders den Opfern und Helfern gewidmet. Ebenso Mozarts “Ave verum”, das wir direkt am Ground Zero sangen. Zwar hatten wir schon zuhause dies als zentrales Anliegen unserer Chorreise nach New York formuliert, doch war es ungleich ergreifender, als viele Zuhörer uns spontan die Hand reichten und sich für diesen Akt der Solidarität bedankten.

Unser letztes Konzert in NY gaben wir am Freitagabend in der German Lutheran Church in der 84th Street East. Beim Schlussakkord von Händels mächtigem Halleluja revanchierte sich das überwiegend deutsch-sprachige Publikum dann mit standing ovations. Spätestens hier wurde jedem Chormitglied bewusst, dass wir mit unserem Gesang gerade den Deutschen in New York wieder ein Stück Heimat zurückgebracht haben.

Im Nu war der Abreisetag angerückt. Am Samstag flogen wir vom Flughafen Newark planmäßig um 19.40 ab. In Paris mussten wir wiederum umsteigen, von den dortigen Unruhen erfuhren wir erst an den französischen Zeitungsständen. Zwar unendlich müde, aber fast volltrunken von fantastischen Eindrücken und Erlebnissen kehrten wir aus dem sonnig warmen New York in die Heimat zurück. Ganz besonders danken möchten wir unserem Chorleiter Konrad Huber, Silke Harbauer und Christoph Fessler, die diese Fahrt so perfekt organisiert hatten.

Ursula Steutzger/Helene Hiebinger

 und nachfolgend ein paar Bilder