Das Vokalensemble
"Canto Vivace"

"Canto Vivace" im hohen Norden Deutschlands

Am 16. August, einem Tag nach dem erfolgreichen “Ave-Maria-Konzert” in Tading, brach Chorleiter Konrad Huber mit seinem Vokalensemble "Canto Vivace" zu einer Konzertreise in den hohen Norden Deutschlands auf.

Reiseziel war zunächst Hamburg. Nach einer verordneten eintägigen Singpause freuten sich schon alle Teilnehmer auf das erste Konzert in Hamburgs drittgrößter Kirche St. Jakobi. Diese besticht vor allem durch ihren imposanten Orgelprospekt, der die größte noch erhaltene Barockorgel des nördlichen Europa birgt. Schon Johann Sebastian Bach hat auf deren vier Manualen mit über 60 Registern und ca.
4000 Pfeifen seine Kunst gezeigt.

Mit Stolz stellte der jetzige Organist und Kirchenmusiker die Orgel mit ihrem facettenreichen Klangvolumen vor. Davon inspiriert stimmte Konrad Huber spontan das "Händel-Halleluja", dessen "Rejoice" sowie ausgewählte “Ave-Marias” an. Das harmonische Ineinanderweben von Orgel- und   Chorklang beflügelte Chor und Organisten gleichermaßen, so dass letzterer direkt von einer "Jam-Session“ sprach, die die Orgel so bisher noch nicht erlebt hatte. Johann Sebastian Bach fühlte man förmlich dazu wohlwollend lächeln. Dieser Eindruck sorgte beim Chor im anschließenden “offiziellen” Konzert für zusätzliche Spannung.

Nachdem dieses Konzert zur Mittagszeit angesetzt war, stand der Nachmittag für "Sightseeing” zur Verfügung, bis man sich abends bei “Dirty Dancing” oder in Schmidt’s Tivoli-Theater wieder traf. Ein besonderes Schmankerl bot sich bei der Besichtigung des “Michels”, als dort im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals Krysztof Penderecki persönlich die Generalprobe seiner Lukas-Passion leitete. Es war einfach beeindruckend, diesen bedeutenden zeitgenössischen Komponisten live bei der Konzertarbeit mitzuerleben.

Nächste Station der Chorreise: Helgoland, die einzige deutsche Hochseeinsel. Unmittelbar nach der Ankunft mit dem Katamaran gab es ein erstes Standkonzert mit überwiegend weltlichen Liedern im Musikpavillon am Hafen. Abends übernahm der “Canto” die musikalische Gestaltung der Abendandacht in St. Nikolai, die bei den Gottesdienstbesuchern und dem Pastor großen Anklang fand. Da eine Übernachtung eingeplant war, konnte man tags drauf bei einer Inselwanderung und einem Bad in der Nordsee mit Tuchfühlung zu den Robben das kontrastreiche Landschaftsbild der Insel gut kennen lernen. Dem felsigen Oberland mit seiner bis zu 60 m hohen rotbraunen Steilküste verdankt Helgoland auch die Bezeichnung “Roter Felsen im Meer”.

Als sich der Chor am frühen Nachmittag zu einem Abschiedskonzert nochmals im Musikpavillon formierte, gruppierte sich schlagartig eine begeisterte Zuhörerschar um die Bühne. Dass der “Canto” nicht nur bei den Tagestouristen auf große Resonanz stieß, sondern auch bei den Insulanern selbst, belegt eine kleine Anekdote: Die Besitzerin eines großen Hotels am Hafen war von Stimmgewalt und Ausstrahlung des Chores derart beeindruckt, dass sie nach dem Auftritt den gesamten Chor spontan zu Kaffee und Kuchen in ihr Lokal einlud. Stilgerecht wurde bei der Rückfahrt zum Festland unter Deck der “Drunken sailor” intoniert, der mit viel Applaus bedacht wurde.

Nach einem obligatorischen Besuch des Hamburger Fischmarktes am Sonntagmorgen fuhr Konrad Huber mit seiner Mannschaft weiter nach Quickborn, zur letzten Station der Konzertreise. In der dortigen Marienkirche wurden Ausschnitte aus dem jüngsten Tadinger Ave-Maria-Konzert, Chorsätze aus der Renaissance sowie Gospels dargebracht. Auch in Quickborn wurde der Canto Vivace begeistert angenommen und gefeiert. Für ein Ehepaar unter den Zuhörern wird dieses Konzert wohl besonders in Erinnerung bleiben, arbeitete der Mann doch viele Jahre bei der Firma Eicher in Forstern, ehe er vor ca. 45 Jahren berufsbedingt nach Quickborn umzog.

So schloss sich hier gänzlich ungeplant der Kreis und bildete den Abschluss einer wunderbaren, sonnigen Chorreise in den hohen Norden Deutschlands. Für die nahezu perfekte Organisation bedankt sich der Chor bei Frauke Plötz-Biebl, Ursel Steutzger, Christoph Fessler und speziell bei Konrad Huber.

Wer das Vokalensemble “Canto Vivace” unter Leitung Konrad Hubers hier im Süden Deutschlands wieder hören möchte, sollte sich den 24. September 2006 vormerken. Unterstützt vom  “Jungen Chor Ubi Caritas” und mit Orchesterbegleitung wird an diesem Sonntag um 19.30 Uhr in der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt zu Tading Mozarts sog. “Waisenhausmesse” zur Aufführung kommen.

Helene Hiebinger und Ursula Steutzger